Die Nadel im Heuhaufen – oder: Wie findet man die ideale Segelyacht?

Einige Kaffees, eine Idee und zwei ambitionierte Menschen – mehr hatten wir nicht, als wir im Kaffeehaus saßen und beschlossen, Neuseeland zu umsegeln und Vorträge zum Meeresschutz zu halten.

Etwas Entscheidendes fehlte: Eine Yacht musste her, um unseren Traum vom Nomad Ocean Project Realität werden zu lassen.

An Booten auf dem Markt mangelte es nicht. Im Gegenteil. Hört sich gut an, aber tatsächlich hat uns diese Qual der Wahl eher überfordert. Die Posts auf Segelgruppen in Facebook und Gespräche mit Freunden zeigen, dass wir mit diesem Gefühl nicht allein sind. Genau deshalb erzählen wir die Geschichte unserer Suche. Vielleicht hilft sie anderen, die etwas Ähnliches vor haben:

DIE PERFEKTE YACHT – UNSERE KRITERIEN

Als typischer Neuseeländer hatte T.A. den größten Teil seiner Jugend am Ozean und auf Booten verbracht. Seine Erfahrung kam uns gerade recht. Abnehmen konnte sie uns die Suche aber nicht.

Zuerst mussten wir die Kriterien für unser Schiff definieren. Was war uns wichtig? Wie konnten wir unsere ganz persönliche eierlegende Wollmilchsau finden? Und gibt es Letztere überhaupt in einer Yacht, die wir nicht von Grund auf neu bauen müssen?

Unsere Anforderungen waren nicht besonders hoch:

  • Das Boot musste seetüchtig und von einem Einzelnen zu bedienen sein
  • Wir sollten damit längere Zeit am Stück unterwegs sein können.
  • Es musste unter $ 10.000,00 NZD (rund 6.750 SFR) kosten.

Klingt doch einfach, oder? Dachten wir anfangs auch, und doch war es überraschend schwierig, ein solches Schiff zu finden. Vor allem der letzte Punkt steckte unsere Suche enge Grenzen.

Unsere erste Suche brachte uns online: Wir fingen mit billigen Yachts in unserer Umgebung an. Davon gab es allerdings wenige, und die meisten waren Tages-Cruiser. Sie für längere Passagen aufzurüsten, hätte zu viel an Arbeit und Geld notwendig gemacht. Beides Dinge, die wir nicht investieren wollten. Kurz: Nach nur wenigen Wochen war eines klar – wir würden in Tauranga, in der Bay of Plenty nicht das geeignete Schiff finden. Wir entschieden, nach Auckland reisen, in die Stadt der Segel.

DIE STADT DER SEGEL … und der zerschlagenen Träume

Doris musste ohnehin für einen Monat nach Bali fliegen, es schien also eine gute Gelegenheit zu sein, die Woche zuvor mit der Yacht-Suche zu verbringen. In Auckland angekommen, starteten wir am größten Yachthafen Neuseelands, Westhaven. Wir hatten vorab Besichtigungstermine mit drei Bootsbesitzern organisiert: Eine Raven26, ein Reaktion 25 und schließlich eine weitere Raven 26.

… die Raven…: Irgendwie hatte es sich diese neuseeländische Yacht in unsere Herzen gebrannt. Seitdem wir über die Website der Raven Owners Association gestolpert waren und kurz darauf ein Youtube-Video von einem Paar gesehen hatten, das von Neuseeland zu den pazifischen Inseln und dann zurück nach Australien segelte, ließ uns der Gedanke nicht mehr los: Die Raven26 war unser Traumboot. Sie hatte nicht nur ausgezeichnete Kritiken von früheren Besitzern bekommen, in der neuseeländischen Segelszene schwärmt einfach jeder von diesen robusten, für ihre Größe geräumigen Yachten.

Wir setzten alle Hoffnungen auf die Raven – doch die ersten beiden Kandidaten, die wir uns angesehen hatten, waren nichts als Müll. Sie waren in so schlechtem Zustand, dass es schmerzte, sie anzusehen. Es war unglaublich, wie die Besitzer ihre Boote so hatten vernachlässigen können. Was allerdings noch unglaublicher war, war der Preis, den eben diese dafür verlangten. Die Suche nach unserem perfekten Schiff würde schwieriger werden, als gedacht…

LEKTION GELERNT

Nach zwei ziemlich frustrierenden Tagen in Westhaven, fuhren wir Richtung Osten zur Halfmoon Bay Marina und der Anlegestelle am Buckhand Beach. Da alle Raven da draußen über unserem Budget lagen, schauten wir uns zwei australische Cavalier 26 als nächstbeste Option an. In Beide müssten wir etwas Arbeit hineinstecken, aber eine davon war in recht gutem Zustand: “Phoenix”, eine blau-weiße Cav. 26. Nach einer ersten Inspektion beschlossen wir, mit ihren Besitzern, einem alten englischen Ehepaar aus Liverpool, einen Tages-Segelausflug zu machen. Letzterer überzeugte uns einigermaßen und wir willigten ein, sie zu kaufen. Sie war zwar nicht genau das, was wir wollten, und unser Bauchgefühl war nicht das Beste. Aber am Ende ignorierten wir alle Zweifel: Wir brauchten schließlich ein Schiff.

T.A. on Phoenix

“Großartig, wir haben ein Boot.” Zu früh gefreut!
Am nächsten Tag machten wir ihnen eine Anzahlung und gingen an Board, um Phoenix näher unter die Lupe zu nehmen und im Detail herauszufinden, welche Arbeiten notwendig waren. Wir nahmen sie auseinander, schrieben Listen, öffneten jede Luke … und, um eine traurige Geschichte nicht in die Länge zu ziehen: Wir fanden Wasser unter dem Boden. Ein Anruf beim örtlichen Bootsbauer bestätigte unseren Verdacht: “Lauft, so lange ihr könnt”, war sein Rat. Und das war´s.

Zum Glück für uns hat das englische Ehepaar die Kaution zurückerstattet. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass sie sogar erleichtert darüber waren: Sie hatten Phoenix wohl noch nicht los gelassen und wollten sie gar nicht verkaufen. Wir hatten unsere Lektion gelernt.

ICH KENNE JEMANDEN, DER JEMANDEN KENNT…

Unsere Suche ging weiter … und die Zeit bis zu Doris´Abflug rannte uns durch die Finger: Wir hatten nur noch zwei Tage, aber von unserem Schiff war keine Spur. Die Besichtigung einiger anderer Raven und weiterer Boote entpuppte sich als unnötig. Sie waren Müll und … mehr zerbrochene Träume.

Wie müde wir nach den fünf erfolglosen Tagen und dieser Hochschaubahn der Gefühle waren, kann sich wohl jeder vorstellen. An unserem vorletzten Tag saßen wir am Strand und sahen in einer Facebook-Gruppe einen Post: Die angebotene Yacht war etwas größer und brauchte etwas mehr Arbeit, aber sie war billig und wir waren ziemlich verzweifelt. Was kann es schaden, sich auch noch dieses Schiff anzuschauen? Und tatsächlich schien das Boot aus der Distanz heraus durchaus brauchbar zu sein, aber beim Näherkommen wurde uns schnell klar, dass das Projekt unsere Kapazitäten übersteigen würde. Dennoch unterhielten wir uns gut mit dem Besitzer, einem echten Segler und Bastler in unserem Alter. “Ich kenne jemanden im örtlichen Segelclub, der eine Raven hat und sie verkaufen möchte”, meinte er plötzlich. Er hatte es kaum ausgesprochen, hatten wir schon die Telefonnummer dieses Bekannten gewählt. Ohne Erfolg. Wir hinterließen eine Nachricht … und warteten und warteten und warteten.

Nach schier endlosen Stunden klingelte das Telefon: Ja, er wollte “Kahu” verkaufen, eine Besichtigung wäre aber erst samstags möglich. Grundsätzlich kein Problem, doch Doris musste am Donnerstag nach Bali fliegen. Wir wollten es dennoch versuchen und beschlossen, dass T.A. allein das Boot besichtigen sollte.

Liebe auf den ersten Blick.

Der Samstag kam schnell: T.A. schoss frühmorgens nach Hobsonville, traf den Besitzer und ruderte mit ihm zu “Kahu”. Es war Liebe auf den ersten Blick: Sie war bei weitem das beste Boot, das wir gesehen hatten. Ja, sie war ein bisschen schmutzig und vernachlässigt von außen, aber innen drinnen war sie großartig. Sie hatte die passende Ausrüstung und – ja, natürlich brauchte sie ein wenig Pflege, doch alles in allem konnten wir sofort lossegeln.

Die Nadel im Heuhaufen zu entdecken ist möglicherweise ein einfacheres Unterfangen, als das richtige Schiff zu finden. Doch eines wissen wir heute, sieben Monate nach dem Kauf von “Kahu”, mehr als je zuvor: Die langwierige Suche und das Vertrauen auf unseren Instinkt hat sich bezahlt gemacht. Unsere Raven26 war all die Mühe wert.

2 Replies to "Die Nadel im Heuhaufen - oder: Wie findet man die ideale Segelyacht?"

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    Walter Labhart 29 November 2017 (10 h 39 min)

    Wie lange habt ihr die Segelyacht gesegelt? Ferienhalber oder ausgewandert? Habt ihr die Yacht wieder verkauft? Wieviel habt ihr schlussendlich für die Yacht bezahlt und wie gross war das Budget für die Renovation (ungefähr)? Wir planen einen mehrmonatigen Aufenthalt in NZ inklusive Segeltoern um die Inseln. Viele Gruesse, Walter Labhart

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      Doris Neubauer 13 December 2017 (9 h 11 min)

      Hallo Walter, bitte entschuldige die verspätete Antwort: Wir haben Kahu seit April 2017, leben seither onboard und segeln Ende der Woche für 3 Monate um Neuseeland. Mein Partner T.A. ist Neuseeländer, und ich (Österreicherin) habe derzeit ein Visum für die Umsegelung, über die ich berichte. Wir haben 10.000 NZD für Kahu ausgegeben; Restauration war kaum notwendig, allerdings haben wir letzte Woche das Antifouling (1.000 NZD/ Bridge Marina Tauranga) erledigen lassen und haben ca. weitere 3000 NZD in Equipment wie einen neuen Autopiloten (der Alte gab leider w.o.), Depth Sounder, … ausgegeben. Wann seid ihr denn unterwegs? Vielleicht treffen wir uns ja. Ich werde in jedem Fall hier weiter über unsere Neuseeland-Tour schreiben und hoffentlich auch den einen oder anderen Tipp für euch parat haben. Schöne Grüße, Doris

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