Von Motiti bis White Island: Shades of White

Tag 2)

Sehe ich Rauchschwaden oder weiße Wolken am Horizont? So ganz sicher bin ich mir bis zum Schluss nicht, wem oder was ich bei unserer Segelpassage von der Insel Motiti in der Bay of Plenty zur vulkanischen White Island gefolgt bin. Fakt ist bloß eines: Nach zehn Stunden abenteuerlicher Überfahrt sind wir auf Whakaari, Neuseelands einziger aktiver Vulkaninsel angekommen. Einfach hat es uns Te Puia o Whakaari (was so viel wie „der dramatische Vulkan“ oder auch „sichtbar machen“ heißt) – so der vollständige Name in Tereo (Maori-Sprache) – dabei wahrlich nicht gemacht.

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Schon der Start hatte es in sich: Nach einer ruhigen Nacht auf Motiti, lauerte schon um 7.00 morgens eine weniger schöne Überraschung auf uns. „Wie bitte schalte ich den Chart Plotter ein?“, wurstelte ich etwas unbeholfen mit unserem eben erst installierten, neuen Navigationssystem herum. War ich tatsächlich zu tollpatschig für diese kinderleichte Aufgabe? Offenbar lag es aber nicht an mir, denn auch mein Partner T.A. hatte kein Glück und musste noch einmal in den Werkzeugkasten greifen, um die Stromzufuhr neu zu legen. Kurze Zeit später poppte die Wegstrecke auf dem Chart auf – wir konnten lossegeln. Was anfangs bei 5 Knoten nach feiner Segelpartie aussah, wandelte sich aber schon nach 1,5 Stunden in ein qualvolles Motorsegeln. Wind = 0, dafür heftiger Wellengang – nicht gerade Idealbedingungen, aber was solls, wir waren auf dem Weg Richtung weiße Wolke.

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Es war diese weiße Wolke beziehungsweise der weiße Rauch rund um die Insel, dem White Island anno 1769 ihren Namen verdankte. Entdeckt wurde dieser über 2 Millionen Jahre alte und größte Vulkan Neuseelands, der einen Durchmesser von rund 2 km hat und sich 321 m über dem Meeresspiegel befindet, von niemand Geringerem als Abenteurer James Cook. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde hier Schwefel abgebaut und sogar eine Farm befand sich auf der Insel. Unternehmungen, an die heute jedoch nur noch Ruinen der Arbeiterhütten erinnern. „Es ist einfach zu gefährlich“, weiß T.A. Vom letzten Vulkanausbruch vor 5 Jahren zu berichten, „selbst Wissenschaftler kommen hier nur noch selten raus.“ Nur eine Gruppe ließ sich von den Gefahren des Vulkans nicht abschrecken: Was aus der Ferne wie eine Schnee- oder Zuckerschicht erscheint, entpuppt sich bei näherem Betrachten als Tölpelkolonie, die die Buchten und Klippen der White Island bewohnt und mit Leben füllt.

Unerschrocken oder – nein, angezogen – vom Vulkan sind auch Touristen. Schiffstouren bringen sie 1069103– in limitierter Anzahl – von Whakatane aus zur Vulkaninsel, lassen sie dort an den Resten des alten Anlegestegs der Minengesellschaft aus den 1930er Jahren aussteigen und über die hellgelb-weiße Insel stapfen. Es soll eine Wanderung sein, die dank schwefeligem Dampf und zischenden Fumarolen einem Gang auf dem Mond gleicht.

Letzteres weiß ich bloß von Wikipedia und vom Hörensagen. Als wir nach einer fast 10-stündigen Fahrt, die uns teilweise in die EEC-Zone außerhalb der CMA (Coastal Marine Area) Neuseelands führte, um 16.00 Uhr in einer Bucht vor Anker gingen, hatten wir keine Lust auf Mond-Wanderung. Stattdessen ließen wir unsere beiden Kayaks ins Wasser und erforschten die Insel auf diesem Weg.

Für den Landgang und mehr wäre morgen noch Zeit, sagten wir uns. Schließlich hatten wir vor, einen weiteren Tag auf White Island zu verbringen. Wie so oft aber machte uns die Wettervorhersage einen Strich durch die Rechnung. Das aber ist eine andere, neue Geschichte…

Unsere gesamte Segelreise und ein Update der Stationen findet man unter www.nomadocean.org

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