Blumine Island: Zu Gast bei Freunden

Wairua – two spirits. We´re just visitors, the birds live here.“ Um zu wissen, dass wir auf Blumine Island hier in den Marlborough Sounds nur zu Gast sind, dafür brauchten wir keine Notiz von früheren Besuchern. Das machte das Begrüßungskomittee auf der Insel hier im äußeren Zipfel von Queen Charlotte Sound klar und deutlich.

Am Tag zuvor hatten wir uns bei unserer kleinen Wanderung in der Kumutoto Bay, unter anderem aufgrund seiner Nähe zur Stadt Picton eine der meist besuchten Buchten hier in der Gegend, noch in den Büschen versteckt, um die scheuen Weka nicht zu erschrecken. Hier auf Blumine Island (aka Oruwairua) haben uns die auch als Maori Hühner bekannten braunen Landvögel kaum einen Fuß auf die Insel setzen lassen. In der Bucht des Camps, das vom Department of Conservation geführt wird, angekommen, haben sie uns schon umringt, uns mit ihrem Gegurre begrüßt und vermutlich ein Gastgeschenk erwartet. „Offensichtlich sind von früheren Gästen gewohnt, gefüttert zu werden“, macht mich mein Partner T.A. auf das ungewöhnliche Verhalten aufmerksam. Nein, schreckhaft sind die Wekas ganz und gar nicht. Müssen sie auch nicht sein. Blumine Island ist eine der wenigen Inseln in den Sounds, auf der es keine Bedrohung durch Ratten oder andere Eindringlinge gibt, die also als „pestfree“ gilt. Stattdessen kann man auf der Insel, die vom Department of Conservation betreut wird, wohl noch das Neuseeland erleben, das Captain Cook in der Mitte des 18. Jahrhunderts entdeckt hat. Damals beschrieb der Weltentdecker die Ankunft auf Aotearoa wegen des Vogelgesangs als „ohrenbetäubend.“

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Dass sich das bis heute auf Blumine Island nicht (viel) geändert hat, davon konnten wir uns in den letzten Tagen überzeugen. Nachdem wir Anfang Januar nach einer anstrengenden fast dreitägigen Segeltour von Napier aus in Queen Charlotte Sounds angekommen waren (darüber kann man in der nächsten Ausgabe von Skipper lesen) und die letzte Woche vor allem rund um die Kumutoto Bucht verbracht hatten, hatten wir unser Lager – aka unsere 8-Meter-lange Yacht Kahu – auf der Südwest-Seite der Insel aufgeschlagen. Zwar war die Bucht weniger friedlich wie angenommen, Kahu hatte sich immer wieder aufgrund der Strömung um die eigene Achse gedreht, und unser Beiboot war immer wieder heftig in Kahu geknallt. Doch der Vogelgesang, das Gezwitscher, Gezirpe, Geschnatter vor allem bei Nachtanbruch, hatte für Einiges entschädigt.

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Wir konnten es kaum erwarten, die Insel und ihre Bewohner von der Nähe aus zu betrachten. Das lag nicht nur daran, dass wir die letzten eineinhalb Tage im Regenwetter auf Kahu beim Serien-Binge-Watching verbracht hatten. Vor zwei Tagen bei einer kurzen Shopping-Station in Picton hatten wir in der Zeitung „Marlborough Midweek“ einen Artikel über Blumine Island entdeckt. „Chance to hear birdsong at Blumine Island“ berichtete darüber, dass das Department of Conservation in diesem Jahr gleich an zwei Terminen die Möglichkeit gab, das außerhalb der Standard-Shuttle-Boot-Route gelegene Vogelparadies zu besuchen. „Traurigerweise wissen die meisten Menschen gar nicht, wie ein ´echter ´Abend-Chorus klingt“, stand da geschrieben, „doch ein Besuch auf der Insel gibt die großartige Gelegenheit den ohrenbetäubenden Gesang der Glockenvogel, grauer Trällerer und Tui und möglicherweise auch andere rare Vogelarten wie Saddlebeck oder Organe-fronted Kakariki zu hören.“

Letzterer war 2011 auf die Insel gebracht worden, nachdem die Vogelart mit 100 Vögeln auf dem Mainland Neuseelands als „national kritisch“ einzustufen war. Und auch der Saddlebeck oder Tieke hatte bereits im vorigen Jahrhundert die kritische Grenze erreicht. Die heutigen Vögel stammen alle von den 36 Saddlebecks, die 1964 gerettet worden waren. 2009 wurden die rot-schwarzen Saddlebecks auf Blumine Island gebracht. Heute gibt es insgesamt mehr als 2000 Saddlebecks – ausschließlich auf geschützten Inseln wie Blumine Island.

Und doch braucht man Glück, einen Saddlebeck selbst vor Augen zu bekommen. Glück, das wir hatten: Auf unserer Weta-HäuschenWanderung auf dem insgesamt 4,4 km langen Pfad, der auch zu den Ruinen der Abwehrstationen aus dem 2. Weltkrieg führt, entdeckten wir plötzlich einen Saddlebeck auf einem Ast sitzen. Geschlagene fünf Minuten posierte der gefiederte Freund vor uns – und unserer Kamera. Es war nicht die einzige einprägsame Begegnung: Ob endemische Weta (eine Gruppe von 70 Insektenarten in der Familie Anostostomatidae und Rhapidophoridae) bis hin zu einem gigantischen Schneckenhaus – die zwei Stunden in der Natur entschädigten für den Nebel und den Regen der letzten Tage.

Eine schwangere Ratte oder Maus oder ein einzelner Hermelin könnten das Vogel- und Insektenleben der Insel vernichten“, schrieb die „Marlborough Midweek“. „Wenn wir nur eine dieser geschützten Inseln mit den endemischen Spezien verlieren“, so T.A., „könnte das eine ganze Art in Gefahr bringen und zum Aussterben verdammen.“

Die Folgen wären katastrophal, nicht nur für Wekas oder Wetas der Insel. Vor allem uns Besucher von Blumine Island.

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