D´Urville Island, der schwarze Fleck

17 Tage, so lange hatten wir im Queen Charlotte Sound verbracht. Nicht ganz das Monat, das wir uns ursprünglich dort aufhalten wollten, aber mehr als vielen Anderen möglich ist. Zu entdecken gäbe es jede Menge, doch wir hatten nicht mehr Zeit: Schließlich müssen wir Anfang März wieder in Auckland auf der Nordinsel sein … und dazwischen gab es noch so viele Punkte auf der Landkarte, die wir anschauen wollten.

D´Urville Island war einer davon. Im Norden der Südinsel, zwischen Marlborough Sounds und Tasman Bay gelegen, war und ist die Insel ein schwarzer Fleck – buchstäblich, denn anders als im Rest der Sounds (und im Grunde genommen in ganz Neuseeland) sind die See- und Landkarten für die Insel mehr als ungenügend. Sowohl unser „Raymarine GPS System“ als auch die App „Marine Navigator Lite“, die wir für Android ansonsten sehr empfehlen können, zeigten nur grob die Buchten und Ankerplätze an, es gab kaum Detailcharts, keine Tiefenangaben – kurz, die Informationen ließen zu wünschen übrig. Selbst die Cruiser-App der Marlborough Sounds, die zwar sehr langsam und nicht ganz up-to-date, aber doch hilfreich ist, zeigte bei vielen Ankerplätzen: „Keine Informationen vorhanden“. Das heißt: Segeln und Ankern auf gut Glück!

Pelorus Sound ist Barrakuda-Reich.

Auf gut Glück. Nicht viel anders also als der Namensgeber, der französische Admiral Jules Sebastian Cesar Dumont d`Urville es 1827 in seinem Schiff „Astrolabe“ getan hatte. Er war eher zufällig über die heute achtgrößte Insel gestolpert und hatte jedem aufgrund seiner unglücklichen Erfahrungen mit dem Riff im engen French Pass abgeraten, dorthin zu segeln. So mühsam die Anfahrt, so durchwegs erfreulich hatte er die Insel selbst erlebt: „It is lofty and mountainous throughout its whole extent, the coast is gloomy, very steep, and wild on the west side looking towards Tasman Bay; but it has a much less forbidding aspect on the side facing Admiralty Bay; there are even a few attractive spots.“

Es lag nicht an D´Urvilles treffender Beschreibung, dass wir unbedingt auf de Insel wollten. Vielmehr lag es daran, dass ein Teil von T.A.s Maori-Familie von der Insel abstammt beziehungsweise mit ihr verbunden ist. Rangitoto ki to tonga (rot- oder blutfarbiger Himmel des Südens) – so der ursprüngliche Name der Insel, den übrigens auch D´Urville selbst bevorzugt hatte – war seit jeher Maori Land. Noch im letzten Jahrhundert lebten dort über 600 Maori, aber um 1890 wurden die Meisten vertrieben – so auch T.A.s Familie. Heute ist deren Besitz auf wenige Gebiete an Land und ein paar der kleinen Inseln rund um D´Urville (wie z.b. Trios Islands) beschränkt.

Maori-Siedlungen gibt es auf D´Urvile Island heute kaum noch. Stattdessen haben einige Pakeha-Familien (englische Siedler) das 16,376 Hektar große Land besiedelt, neuseeländischen Wälder abgeforstet und auf dem steilen Hügelland mit viel Mühe ihre Farmen errichtet. Nur Wenige sind auch geblieben: Nur 52 Menschen leben heute auf D`Urville Island. (Mehr dazu unter https://www.nzgeo.com/stories/durvilles-forgotten-island/)

Abgesehen davon hat D.O.C. (Department of Conservation) sechs Campingplätze auf der Insel gebaut. Gut ausgestattete Campingplätze dürfen hier allerdings nicht erwartet werden. Campingplätze á la D.O.C. werden zwar betreut, bestehen aber aus nicht mehr als ein paar Stellen, an denen man Zelte aufstellen kann, ab und an einer Toilette (immer mehr WC-Papier ausgestattet; ein Phänomen in Neuseeland, dass es immer Toilette-Papier gibt) sowie einem Hahn mit nicht-behandeltem, somit nicht trinkbarem Wasser.

Der Weg dorthin

Von unserem Ankerplatz in Blumine Island in den Queen Charlotte Sounds starteten wir bei Nordwinden (25 Knoten, später 15 Knoten) Richtung Pelorus Sound. Wir waren optimistisch, doch der Wind war zu stark – die Wellen zu hoch: Wir mussten schon nach 3 Seemeilen in einer Bucht ankern, um dort ruhigere Zeiten und Bedingungen abzuwarten. Schließlich hatten wir noch 30 Seemeilen vor uns.

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Um 14.00 Uhr war es soweit. Der Wellengang hatte sich etwas beruhigt, der Wind war jetzt klarer und reiner. An Segeln war zwar nicht zu denken, weil der Wind direkt aus der Richtung kam, in die wir fahren mussten, dennoch war es angenehmes Motorsegeln bei ca. 6 Knoten. Um 15.30 umrundeten wir Cape Jackson.

Dort erwartete uns dann ziemlich rauhe See: Die Cook Straße, Sounds und das Wasser aus dem Tasmanischen Meer kamen hier zusammen und sorgten für unruhige Bedingungen. Um 19.30 Uhr und nach 25 Seemeilen ankerten wir schließlich in Annie Bay in den Pelorus Sounds.

Planänderung am nächsten Tag: Eigentlich wollten wir einen Tag in den Pelorus Sounds verbringen, vor allem um die vielen Fisch-, Austern- und Muschelfarmen anzuschauen. Dann beschlossen wir aber, gleich nach Rangitoto zu segeln. Vielleicht lag es daran, dass uns gleich bei unserem Morgenkaffee ein Schwarm Bottlenose Delfine überraschte, der an uns vorbeirauschte. Es war einer dieser Momente, die in Erinnerung bleiben und wegen denen wir überhaupt unterwegs sind.

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Und es war ein großartiger Start in den Tag. Da konnten selbst Nieselregen und hoher Wellengang unsere Stimmung nicht trüben. Bis Chetwode Island, das den Status eines „D.O.C. Wildlife Sanctuary“ besitzt, mussten wir motorsegeln, dann konnten wir unsere Segel setzen und bei 4 – 5 Knoten bis Trio Point segeln. Genau dort allerdings erstarb der Wind. Wir motorsegelten einmal mehr bis zu Whareatea Bucht – unserem Ankerplatz an diesem Tag im Osten von D´Urville Island.

Whareatea Bucht

Die Bucht hatte nicht nur für uns Bedeutung: Ein Schild in der Whareatea Bucht, nahe einem der Kieselstein-Strände, erinnert daran, dass Forscher und Seemann Captain Cook hier seinen letzten Ankerplatz in Neuseeland hatte. Der berühmte Abenteurer und Entdecker versorgte sich hier mit Frischwasser, bevor er auf den langen Weg in die englische Heimat aufbrach. Für uns war die Bucht, die uns gut gegen den aufkommenden Nordwind mit 20 Knoten schützte, ein herrlicher erster Ankerplatz. Es gab nicht viel zu entdecken, aber die kleinen Strände, der typisch neuseeländische Wald und ein paar Hütten auf den Klippen boten eine schöne Kulisse für eine Kayak-Tour.

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South Arm

Am nächsten Tag brachen wir Richtung Südspitze der Insel auf. Es war ein langer Weg, der uns zum ersten Mal auch ins Tasmanische Meer führte. Dieses war überraschend ruhig, und die Passage war dementsprechend unspektakulär.

Die Landschaft ändert sich hier rapide: Anders als im Osten von D´Urville Island ist hier von der üppigen Waldlandschaft kaum etwas übrig geblieben. Die Wälder sind gerodet und haben Grashügeln Platz gemacht, auf denen einige Rinder grasten. Auch ein paar Farmhäuser sind hier an der Südspitze zu sehen – wer jetzt denkt, dass deshalb bessere Infrastruktur herrscht, wird enttäuscht. Wir hatten auch hier keinen Empfang auf unseren Mobiltelefonen und konnten noch nicht einmal VHF-Radio empfangen.

Der South Arm ist zwar wieder bewaldet, dennoch ist von der Wildheit und Ursprünglichkeit der Ostseite wenig zu spüren. Der breite South Arm mit seinen zahlreichen Buchten auf beiden Seiten, in denen auch Anlegestellen zu Verfügung stehen, wirkt irgendwie kahl, kalt und leer. Vielleicht lag es daran, dass die Unterwasserwelt hier – wie leider auch im überwiegenden Rest der Marlborough Sounds – wie ausgestorben erscheint: Keine Algen, kaum Wasserpflanzen und außer ein paar Jungfischen (Kahawai, Knurrhahn, Kabeljau, …) war wenig Leben zu sehen. Nachdem auch der Ankerplatz selbst überraschend unruhig war – von den lästigen Sandfliegen abgesehen -, blieben wir hier nur übernacht und segelten am nächsten Tag weiter: Wir brachen bei Südostwinden auf, segelten 5 Seemeilen südwärts, um zwischen Nelson Monument und der Insel um die Südspitze zu gelangen und schließlich an der Westküste von D´Urville Richtung Südinsel zu segeln.

Ursprünglich wollten wir bei Greville Harbour noch einmal auf D´Urville vor Anker gehen, doch wie so oft mussten wir unsere Pläne ändern. Das Erkunden von Rangitotos Westküste, dem French Pass sowie den kleineren Inseln im Süden der Insel verschoben wir also auf einen anderen Zeitpunkt. Dann kann der schwarze Fleck D´Urville noch mehr Farbe für uns bekommen…

Weitere Infos:

durvilleisland.co.nz

http://www.nzherald.co.nz/travel/news/article.cfm?c_id=7&objectid=11735422

French Pass and D’Urville Island – Guide for Backpackers

 

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