Wenn Neuseeländer einen Strand kaufen …

“Shit, it’s beautiful!” Mein Partner T.A. hört sich langsam wie eine stecken gebliebene Schallplatte an. Auch wenn ich angesichts seiner Begeisterung schmunzeln muss, kann ich doch nicht widersprechen: Awaroa Bay is beautiful indeed.

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Dem konnte auch der Sturm “Fehi” vor einigen Tagen nichts anhaben. Dieser hatte zwar Awaroa genauso schwer getroffen, wie viele andere Buchten im Abel Tasman Nationalpark und dort seine Spuren hinterlassen. Die starken Wellen hatten den Strand komplett überflutet und einige Kanuka-Büsche weggewaschen, viel Treibholz ans Ufer geschwemmt und die Sanddünen ausgedünnt. Es sind Zeichen der Verwüstung, die auch wir – eine Woche nach Fehi – noch zu Gesicht bekommen. Am deutlichsten zeigt sie sich wohl beim Holzsteg, der – wie wir später erfahren – zum “Meadowbank Homestead” führt. Das Gerüst hängt und schwebt mehr über dem Sand, die Holzplatten sind gebrochen, der Steg ist unbenützbar geworden.

An Schönheit und Bedeutung hat Awaroa dennoch nichts eingebüßt. “Dinge können sich verändern und entwickeln, damit müssen wir zurecht kommen”, meint einer, der mit Awaroa auf besondere Weise verbunden ist: Adam Gard´ner, “an der Wichtigkeit, die dieser Küstenabschnitt bekommen hat, ändert das nichts.” Tatsächlich ist Awaroa nämlich keine unbekannte Bucht, sondern hat Geschichte geschrieben. Im Januar 2016 haben Duane Major und er eine Crowdfunding Kampagne launciert. Ziel war es, den Awaroa Strand zu kaufen und ihn allen Neuseeländern zu deren Vergnügen und Nutzung zu Verfügung zu stellen. Beides wollte der vorherige Besitzer verhindern. Die Kampagne war ein voller Erfolg: Zusammen mit der Regierung von Neuseeland stellten 40.000 Kiwis $2,278,171.09 für den Kauf zu Verfügung. Es ist der erste und einzige Strandabschnitt im Besitz aller Neuseeländer.

Für uns wird Awaroa auch aus anderen Gründen als etwas Besonderes in Erinnerung bleiben. In unseren Augen hat der Strand seine Schönheit der Tatsache zu verdanken, dass wir nach Wochen endlich wieder allein in einer Bucht ankern. Allein?! Naja, die Bucht fühlt sich zumindest einsamer, naturbelassener und weniger überlaufen an als die letzten Ankerstellen in Abel Tasman oder den Sounds. Zwar werden auch nach Awaroa Touristen per Fähre gebracht, Wassertaxis und Motorboote sind auch hier unterwegs – doch das Schauspiel findet rund um das Awaroa Inlet statt. Auf unserer Seite der Bucht sind wir ziemlich allein.

Und diese herrliche Einsamkeit wissen wir zu nutzen, um noch einmal Abel Tasman in seiner Pracht zu genießen. Schließlich ist Awaroa unsere letzte Station auf der Südinsel. In wenigen Tagen müssen wir Richtung Norden, Richtung Heimat aufbrechen – Job-Projekte warten.

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